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Karl-Heinz Burde

Karl-Heinz Burde

* 1932 in Altschau

Fröhlich, wissgierig und neugierig auf Alles – so begegnet er auch den Kindern und sie merken gleich: er mag sie!

Worüber haben Sie heute schon gelacht?

Heute habe ich noch gar nicht gelacht, jetzt gerade das erste Mal!

Und über was lachen Sie gerne?

Also, ich lache über vieles, was lustig ist. Das ergibt sich aus dem Gespräch heraus. Ich lache eigentlich ganz gerne.

Was brauchen Sie, um zufrieden zu sein?

Oh! Eigentlich alles das, was ich habe. Ich bin ein zufriedener Mensch. Mit meiner Behinderung habe ich mich abgefunden, damit kann ich leben. Ich bin zufrieden, dass ich hier eine schöne Unterkunft gefunden habe, da bleibt eigentlich nichts offen.

Kindheit, Schule, Arbeitsleben: Woran erinnern Sie sich am liebsten?

Ich habe so viel erlebt in meinem Leben. Wir sind aus Schlesien geflohen, dort bin ich aufgewachsen. Als ich 13 Jahre alt war, war ich morgens in der Schule und nachmittags mit den Ochsen auf dem Feld. Dort habe ich auch angefangen zu arbeiten, das war zwar sehr schwer, aber trotzdem denke ich gerne daran zurück.  
Dann habe ich mich bei der Polizei beworben und habe sieben Jahre dort gearbeitet.
Später habe ich in Halle gelebt, als Kesselschmied und später als Schweißer.

Wussten sie als Kind, wovor sie fliehen?

Wir sind damals geflohen, weil die Front immer näher kam. Morgens haben wir die Schüsse und den Donner gehört. Am 3. Februar 1945, an meinem Geburtstag, sind wir auf der Flucht gewesen. Das war eine schlimme Zeit, muss ich sagen.
Da waren wir auf einem großen Bauernhof, mit acht anderen Flüchtlingsfamilien.
Als der Krieg vorbei war, haben wir gehungert. Wir haben uns angestellt, als die Kartoffeln für die Schweine gekocht wurden. Den Bauern hat das nicht gefallen, weil wir den Schweinen zu viel Futter weg gegessen haben.

Das war eine schwere Zeit, aber trotzdem haben wir den Mut nicht sinken lassen.
Meine Mutter war mit meinen fünf Geschwistern alleine und wir wussten nicht, ob mein Vater noch lebt. Durch den Suchdienst vom Deutschen Roten Kreuz haben wir ihn dann gefunden. Der war ja Soldat in Norwegen, und wusste auch nicht, ob wir noch leben. Meine Familie hat ihn dann am Bodensee wieder getroffen. 
Ich bin bei der Polizei geblieben. Ich bin auch der einzige, der hier in der DDR geblieben ist.
Nach dem Krieg sind alle Männer wieder zu ihren Familien gekommen, und ich war der Meinung, dass mein Vater das auch hätte tun sollen, anstatt meine Mutter mit den Kindern alleine zu lassen. Das hat da auch noch eine Rolle gespielt.

Später habe ich ein Studium aufgenommen, habe Ökonomie studiert, bin aus Halle weg gezogen und in Ludwigsfelde gelandet. Dann habe ich nochmal fünf Jahre Ingenieur studiert. Ich habe den größten Teil meines Lebens mit lernen verbracht.

Was prägt die Jugend heute, aus ihrer Sicht?

Der größte Unterschied ist, dass sie in Frieden leben kann.
Der Krieg und die Nachkriegszeit waren so schlimm gewesen, ich wünsche niemandem, dass er das erleben muss. Es ist wichtig, dass das nicht wieder passiert.

Was ist Ihre Botschaft an die Jugend?

Natürlich! Lernt fleißig, denn das ist wirklich am wichtigsten. Ich habe das in meiner Jugend selber gemerkt. Euer Wissen kann euch auch keiner mehr nehmen.

Was ist Ihnen heute in ihrem Leben wichtig?

Die anderen Menschen sind wichtig. Ich habe zu meinem Geburtstag zum Beispiel viele Blumen bekommen. Es ist schon wichtig, dass man nicht alleine ist auf der Welt.

Wenn Sie einen Wunsch frei hätten, was würden Sie sich wünschen?

Ich würde mir wünschen, dass nie wieder Krieg ist auf der Erde. Am schlimmsten war auch die Nachkriegszeit, das soll niemand mehr erleben.

Was ist Ihr Tipp für ein langes Leben?

Man muss sich nur einigermaßen gesund ernähren, dann lebt man auch lange. Ich habe mich zwar auch gesund ernährt, aber trotzdem ist das hier passiert.

Welche Farbe mögen Sie am liebsten?

Oh, welche Farbe! Da muss ich ehrlich sagen, ich habe keine Lieblingsfarbe.

Wann haben Sie Geburtstag?

Am 3. Februar.

Also vor 5 Tagen! Eigentlich wäre dann noch ein Geburtstagslied fällig.

Kinder singen ein Geburtstagslied

Das Leben ist ein Buch

Portraits der Ausstellung

16 Portraits – 16 Gesichter von 16 Menschen, 16 Leben, 16 Geschichten.

Vom 28. November bis zum 31. Dezember 2017 ist die Ausstellung im Foyer der Stadt- und Landesbibliothek Potsdam zu sehen. Erleben Sie dort die Begegnung von Jung und Alt.

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Unser Dankeschön