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Wolfgang Harte

Wolfgang Harte

* 1921 in Potsdam

Langweile kennt er nicht. Auf seinem Arbeitstisch am Fenster stehen zwar auch Kaffee und Kuchen, aber wichtiger sind die bunten Stifte für seine Bilder. Wenn er von seiner Arbeit aufschaut, sieht er gegenüber den Park Charlottenhof. Er nennt ihn seinen Spielplatz, denn hier hat er als kleiner Junge getobt.

Worüber haben Sie heute schon gelacht?

Gelacht? Naja, heute noch nicht. Aber den Kopf geschüttelt, über einiges. Immer wenn ich in eine Zeitung gucke.

Was brauchen Sie, um zufrieden zu sein?

Wisst ihr, ich habe den Krieg hinter mir gehabt, mit Gefangenschaft. Da kann man sich vorstellen, was man wirklich heutzutage braucht. Und daran mangelt es weltweit, leider.

Kindheit, Schule, Arbeitsleben: An was erinnern Sie sich am liebsten?

Geht ihr gerne zur Schule? 

Ja, gerne.

Später geht ihr alle zur Arbeit. *lacht*  Dann machen wir mal ein Fragezeichen, ne?
Aber zur Schule geht man, damit man seine Arbeit richtig macht, und später etwas liefert für die Allgemeinheit.

Was prägte die Zeit Ihrer Jugend und was prägt die Jugend heute nach Ihrer Ansicht?

Die Ansichten sind so unterschiedlich, dass man nicht genau sagen kann, hat man aus der Vergangenheit gelernt oder nicht. Ende der zwanziger Jahre lag die Erziehung auch an der politischen Situation. Und heute vergessen wir einiges, denke ich.
Man hat früher auf ein korrektes Deutsch gepocht, macht man das heute auch noch so? Wenn man Berichte in Zeitungen liest, wird oft kritisiert, dass so viele Fremdwörter benutzt werden, die nicht unbedingt erforderlich sind. Ich habe auch in einem Artikel gelesen, dass man sehr besorgt ist um die deutsche Sprache, und ich finde, das sollte man mehr beherzigen. Nichts gegen Fremdsprachen, um weiterzukommen, aber entscheidend ist ein einwandfreies Deutsch.

Wenn Sie einen Wunsch frei hätten, was würden Sie sich dann wünschen?

Den Wunsch habe ich: gesund bleiben und 100 werden.

Wie lange ist das noch?

Vier Jahre.

Mein Opa ist 93.

Ich bin zurzeit 96. Meine Kinder sagen: „Vater, du machst die 100 voll.“

Was machen Sie gerne?

Meine Freizeitbeschäftigungen? Das hier wird ein Kopfkissen, mit Kreuzstich. Oder Rätseln zum Beispiel. * Kind zeigt an die Wand *  Das ist Malen nach Zahlen, alles meine Arbeiten. Das hält einen auch jung, also da kann man nicht klagen.

Mögen Sie Handarbeiten, also Nähen und Stricken?

Ich kann auch sagen warum. Mein erlernter Beruf ist Tischler. *lacht* Zuhause hab ich alles selber gemacht, ich hab‘ keinen Maler gebraucht. Zwei linke Pfoten kann man da nicht haben.

Mögen Sie die Natur?

Ob ich die Natur mag? Liebe, guck dich doch mal um. Siehst du meinen Spielplatz? Das ist der Park! Und da fragt ihr, ob ich die Natur mag. *lacht*  Ich bin doch mit der Natur groß geworden, also warum sollte ich gegen die Natur sein. Das wäre ja blöd.

Ist das Bild von dem Igel von früher?

Das an der Wand? Das ist ein Blatt, und die Schnauze unter dem Blatt gehört zum Igel.
Das sind Arbeiten, die wir hier machen. Übermorgen haben wir wieder so eine kleine Winterkaffeepause, da machen wir auch manchmal solche Arbeiten.

Das Leben ist ein Buch

Portraits der Ausstellung

16 Portraits – 16 Gesichter von 16 Menschen, 16 Leben, 16 Geschichten.

Vom 28. November bis zum 31. Dezember 2017 ist die Ausstellung im Foyer der Stadt- und Landesbibliothek Potsdam zu sehen. Erleben Sie dort die Begegnung von Jung und Alt.

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