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Luise Naujoks

Luise Naujoks

* 1030 in Rossow

Aus einem schönen Gesicht grüßt ein fröhliches Lächeln. Sie könnte Lehrerin gewesen sein, aber keine strenge. 

Worüber haben Sie heute schon gelacht?

Es gibt viel zu lachen. Wenn den einem was aus der Hand fällt, dann lacht der andere drüber, oder wenn die Vögel sich zanken.

Haben Sie da heute auch schon drüber gelacht?

Ja ja ja, ich lache immer!

Was brauchen Sie, um zufrieden zu sein?

Wir sind hier zufrieden, wir haben gute Pflege und gutes Essen, was will man mehr. Und wenn ich einigermaßen gesund bin, bin ich auch zufrieden.

Kindheit, Schule, Arbeitsleben: An was erinnern Sie sich am liebsten?

An alles! Ich hatte eine schöne Kindheit, dann habe ich geheiratet, einen Sohn bekommen, Enkelkinder - da kann man schon froh sein.
In der Schule war es früher schlimm! Man musste artig sein, und wehe es hat einer über die Stränge gehauen. Da musste man die Hand hinhalten und hat was mit dem Rohrstock bekommen. Das hat weh getan! Das habe ich einmal bekommen, danach war ich artig. Dann hatten wir einen Schüler, der war immer frech und wusste, dass er Schläge bekommt. Dann hat er sich hinten Papier in die Hose gesteckt, dann hat er das nicht so gemerkt.

Was haben Sie beruflich gemacht?

Ich war Angestellte im Gemeindebüro, das war eine schöne Zeit.

Was prägte Ihre Jugend?

Was soll ich sagen? Es war eine andere Zeit. Manchmal war es schwer, ich habe einen Krieg miterlebt und so, das war nicht gut. Da mussten wir alle flüchten.

Was prägt die Jugend heute nach Ihrer Ansicht?

Das ist heute alles ganz anders als früher. Sie haben viel mehr Freiheiten als früher. Auf der einen Seite finde ich das gut, aber zu viele Freiheiten sind meistens auch nicht gut. Aber das ist so, das müssen wir nehmen wie es ist.

Was ist Ihre Botschaft an die Jugend?

Ach du lieber Himmel! - Es gibt ja die Jugend, weißt du, wenn man in der Straßenbahn sitzt und alles voll ist, und dann kommt eine alte Oma wie ich rein und findet keinen Platz … Was soll man dazu sagen?
Ein bisschen Rücksicht wäre nett. Ihr werdet ja schließlich selber mal alt.

Was ist Ihnen heute in Ihrem Leben wichtig?

Ich bin alt, und ich würde gerne noch ein bisschen gesund bleiben. Auch wenn ich nicht mehr laufen kann - dauernd Schmerzen zu haben ist nämlich nicht schön - ich war ja auch mal jung, und da ging es mir gut. Da denkt man natürlich nicht an die Gesundheit. Aber im Alter wird einem das bewusst. Die wundern sich hier immer, dass ich geistig noch so fit bin.

Wenn Sie einen Wunsch frei hätten, was würden Sie sich wünschen?

Mehr Gesundheit würde ich mir wünschen. Dass ich nochmal laufen kann.
Ich bin im Juni gestürzt und habe mir drei Lendenwirbel gebrochen, seit dem kann ich nicht mehr richtig laufen. Ich komme so auch nicht mehr in meine Wohnung rein. Das ist schon hart, aber man muss das Beste draus machen.
Ich bin aber froh, dass es mich so gut getroffen hat. Mein Sohn kommt fast täglich und geht auch mit mir raus, wenn schönes Wetter ist. Ich freue mich auch auf den Sommer, das wird schon alles gut werden.

Was ist Ihr Tipp für ein langes Leben?

Gesundheit. Ich mache hier auch alles mit, z.B. Sport. Was ich noch kann mache ich auch. Hier wird schon viel geboten. Das Essen schmeckt auch, meine Zimmermitbewohnerin ist nett.

Worauf sind Sie stolz in Ihrem Leben?

Ich habe ein gutes Leben gehabt, einen guten Mann, Familie.

Sie haben noch einen Mann?

Der ist leider schon lange verstorben. Der hat es auch mit dem Herzen gehabt, da war er 71. Tja, so geht es im Leben.

Sternstunde Technik, früher und heute ...

Früher war die Technik nicht so fortgeschritten wie heute. Damals in der DDR hatte ja keiner ein Telefon. Erst als bei uns dann die Gemeindeschwester nach Potsdam gezogen ist, ist auf der Arbeit ein Telefon frei geworden. Mein Chef meinte dann: das kriegen Sie jetzt, damit uns das keiner weg nimmt.
Ich hatte einer Schwester im Westen, die habe ich mittags angewählt, und abends um elf kam ich dann durch. Die wusste gar nicht, was sie sagen sollte.
Mit Heute kann man das ja nicht vergleichen. Vieles hat sich zum Guten geändert, aber nicht alles!

Was waren Unterschiede in der Jugend von früher und heute?

Ich habe den Krieg miterlebt, das war schlecht. Aber trotzdem hatte ich eine gute Jugend, ich bin ja auf dem Land aufgewachsen.
Heute ist das alles viel freier und offener. Früher war alles viel härter, das hat sich schon ziemlich geändert. Das kann man gut oder schlecht sehen.
Meine Urenkel werden ja schon mit Telefonen groß! In der DDR sind wir mal mit meinem Sohn zur Post, da sollte der telefonieren. Der hat sich gar nicht getraut, den Telefonhörer anzufassen.
Bald habt ihr auch schon Handys.

Ich habe schon eins.

Siehste, da haben wir´s!

Haben Sie denn noch Fragen?

Was macht ihr denn jetzt noch?

Wir gehen jetzt erst mal in den Eingangsbereich und treffen die anderen Schüler.
Wir sind ja insgesamt vier Gruppen, die hier um Haus unterwegs sind.

Ihr seid ja neugierig!

In welchen Kindergarten sind Sie denn gegangen?

Als ich klein war, gab es noch keinen Kindergarten.

 

Das Leben ist ein Buch

Portraits der Ausstellung

16 Portraits – 16 Gesichter von 16 Menschen, 16 Leben, 16 Geschichten.

Vom 28. November bis zum 31. Dezember 2017 ist die Ausstellung im Foyer der Stadt- und Landesbibliothek Potsdam zu sehen. Erleben Sie dort die Begegnung von Jung und Alt.

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