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Manfred Nebel

Manfred Nebel

* 1937 in Riesa

Ein fröhlicher Mensch mit Witz und Tiefgang, der zu genießen weiß und Geselligkeit schätzt. 

Wenn eine Fee Ihnen einen Wunsch erfüllen könnte, was würden Sie sich wünschen?

Dass Frieden auf der Welt bleibt. Das begründe ich mit meinem Beruf. Ich bin Soldat gewesen, in der Volksarmee der DDR, vielleicht habt ihr davon schon mal gehört.
Ich gehe davon aus, dass nur im Frieden die Welt gedeihen kann, nicht wenn geschossen wird, wie man es jeden Tag in der Zeitung liest.
Und du bist Potsdamerin?

Ja. - Ich wohne hier gleich nebenan!

Das sind doch die Häuser mit den großen Zimmern. Und in welche Grundschule geht ihr?

In die Babelsberger Grundschule.

Willst du mal das Bild sehen? Das hier bin ich. Und hier hinten steht: „Iss, was gar ist, lieb‘ was rar ist“ - also nicht jedes Mädchen, nur gute Schülerinnen!- „und trink, was klar ist“. Also kein trübes Bier. Da hab‘ ich mich immer dran gehalten.
Vor wenigen Wochen war ein Fotograf hier im Zimmer. Da haben wir aus dem Fenster in Richtung Sanssouci und Schloss Charlottenburg geguckt. Deswegen heißt dieses Haus auch Haus Charlottenhof.

Wir waren auf Hermannswerder auch schon in einem Altersheim.

Sag‘ nicht Altersheim! Das ist falsch, es heißt Seniorenheim.

Was brauchen Sie, um zufrieden zu sein?

Ich wohne hier mit einer Oma. Das ist nicht meine Oma, sondern die Frau Otto. Die ist 91 Jahre, ganz schön alt *lacht* und die lebt hier alleine, so wie ich.
Was denkt ihr denn wie alt ich bin?

80?

Ich werde 85, auch ein schönes Alter.

Kindheit, Schule, Arbeitsleben: Woran erinnern Sie sich am liebsten?

In 85 Jahren kommt viel zusammen. Und wenn du mich das mit 85 fragst, dann erinnert man sich eher an die schönen Sachen.
Ich habe einen Krieg erlebt, als ich so alt war wie ihr, ich habe 40 Jahre DDR erlebt, dann kam die Bundesrepublik Deutschland.
Am schönsten war meine Schulzeit. Da hatte ich nicht allzu viel zu tun, und trotz Krieg hatte ich immer genug zu essen, dafür hat meine Mutti gesorgt. Die Jugend kommt nicht mehr wieder.

Hat diese Zeit Sie denn nicht manchmal gestört? An sich, der Unterricht?

Wenn ich sage, die Schule war gut, dann musst du mir das erst mal abnehmen.
Es gab natürlich Höhen und Tiefen, aber das war die Voraussetzung, dass ich später als Lehrer arbeiten konnte.

Sie sind eigentlich Lehrer?

Eigentlich bin ich Soldat. Aber vorher habe ich auf der Hochschule studiert.
Und dann kommt noch mein Hobby dazu: Ich bin Fußballer. Siehst du das Bild? Das bin ich.

Was sind Ihre Tipps für ein langes Leben oder Ihr Lebensmotto?

Was siehst du, wenn du hier drunter guckst?

Bierflaschen!

Aber die trinke ich nicht alleine, manchmal sind auch andere fröhliche Gruppen hier. Und die Fröhlichkeit darf man sich nie nehmen lassen. Deshalb singe ich nämlich auch hier im Chor mit, man braucht nicht nur hübsche Sopranstimmen, sondern auch einen guten Bass.

Worüber haben Sie denn heute schon gelacht?

Grade heute habe ich wahrscheinlich noch nicht gelacht. Aber wenn man seine Mitmenschen sieht, zum Beispiel mein Nachbar, der kommt immer mit all seinen Sachen zu mir. Ich würde den nicht auslachen, aber manchmal …

Was war in Ihrer Kindheit prägend?

In der Schule – ich bin ja in Riesa im Süden geboren – da gab es öfter mal was zu lachen. Aber das behalte ich jetzt für mich. Man muss ja auch Geheimnisse haben.

In Ihrer Jugend war der Krieg schon vorbei, oder?

Nein, ich bin 1937 geboren und 1943 in die Schule gekommen. Mein Vater war im Krieg geblieben und meine Mutter hat sich um mich gekümmert.

Die Sternstunde der Technik - wo ist der Unterschied zwischen früher und heute?

Früher sind wir Fahrrad gefahren - da waren wir stolz, wenn wir ein Fahrrad hatten.
Dieses Jahrhundert, das war geprägt durch Entwicklung. Das ging so weit, wenn wir hier rausgucken, sehen wir alle möglichen Flugzeuge. Weißt du, warum die alle hier sind? Die wollen Schloss Sanssouci sehen! Die gucken das von oben an, früher mussten wir das zu Fuß machen.

Worauf sind Sie stolz in ihrem Leben?

Ich bin stolz, dass ich Soldat sein durfte, mit allen Dienstgraden, die die Armee hat. Wir standen immer auf der Seite des Friedens, das macht mich stolz.

Eine Frage haben wir noch. Ihre Botschaft an die Jugend?

Lernen, Lernen und nochmals Lernen. Dumme gibt es nicht, es gibt nur Unwissende.

Worauf seid ihr denn noch neugierig?

Aber frag' jetzt bitte nicht nach Geld, das haben wir hier nicht. Ich muss hier ja auch Miete bezahlen! Aber ich hatte auch mal eine Eigentumswohnung hier in der Nähe.

Seit wann leben Sie im Potsdam?

Seit 1968. Wir hatten hier alles.

Das Leben ist ein Buch

Portraits der Ausstellung

16 Portraits – 16 Gesichter von 16 Menschen, 16 Leben, 16 Geschichten.

Vom 28. November bis zum 31. Dezember 2017 ist die Ausstellung im Foyer der Stadt- und Landesbibliothek Potsdam zu sehen. Erleben Sie dort die Begegnung von Jung und Alt.

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