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Erich Sydow

Erich Sydow

* 1925 in Golzow

Seine leise Stimme zwingt zum konzentrierten Zuhören. Das ist gut so, denn Herr Sydow denkt über Grenzen hinweg. 

Worüber haben Sie heute schon gelacht?

Eigentlich gab es heute noch nichts zu lachen.

Schade. 

Worüber habt ihr denn heute schon gelacht?

Ich habe über Aarons Witze gelacht. Sonst hab‘ ich auch noch nicht gelacht.

Was brauchen Sie, um zufrieden zu sein?

Gesundheit vor allem. Die hab ich leider nicht, da wird sich auch nicht viel ändern.
Und ich danke Gott für jeden Tag, den ich noch hier habe.

Kindheit, Schule, Arbeitsleben: An was erinnern Sie sich am liebsten?

An meine Kindheit erinnere ich mich ganz gerne, ich hatte eine gute Kindheit und ein gutes Elternhaus. Die Schule war auch nicht so streng, ich habe eine Dorfschule besucht.
Ich hatte sechs Geschwister, einige waren schon älter, aber wir waren noch zu viert in meinem Elternhaus. Ich bin der Vorletzte.

Haben Sie Enkelkinder?

Ich habe gar keine Kinder. Ich war 46 Jahre verheiratet, aber kinderlos.

Was prägte die Zeit Ihrer Jugend, und was prägt die Jugend heute nach Ihrer Ansicht?

In meiner Jugendzeit, da war die Nazizeit, die waren schon sehr auf Krieg ausgerichtet.
Allerdings hatte ich keine schlechte Jugend. Wir waren auf dem Dorf groß geworden, die hatten da einen anderen Tonfall. Nicht so streng wie sonst bei den Nazis.
Bis ich dann Soldat wurde. Ich habe mich freiwillig zur Marine gemeldet und da kam ich auch hin, da hatte ich auch wieder Glück.
Die Jugend ist heute anders ausgerichtet. Wir wurden damals nationalsozialistisch ausgerichtet, und die Jugend heute soll europäisch ausgerichtet werden.
Soll – ist sie aber nicht. Das finde ich nicht gut. Zu meiner Zeit gab es die Hitlerjugend, dann in der DDR die Pioniere, das ist nicht gut. Es sollte eine freie Jugend geben, dann wird man sehen, wie sich das entwickelt.
An sich ist es grade ganz gut, nur manchmal vielleicht zu locker.

Was ist Ihre Botschaft an die Jugend?

Die Jugend muss solidarisch mit anderen Völkern sein, und vor allem europäisch. Sie sollten Zusammenhalt schließen, was leider nicht immer der Fall ist.

Was ist Ihnen heute in Ihrem Leben wichtig?

Heute bin ich 92. Mir ist wichtig, dass ich noch einige Jahre einigermaßen gesund bleibe. Beim Laufen bekomme ich Sauerstoffmangel, deswegen muss ich Tag und Nacht Sauerstoff anhaben. Es wäre besser, wenn ich ohne Sauerstoffgeräte auskommen würde, das würde mich sehr freuen.

Wenn Sie einen Wunsch frei hätten, was würden Sie sich wünschen?

Ich würde mir wünschen, dass sich die Umstände, unter denen ich im Moment lebe, bessern. Also dass ich wenigstens ab und zu ohne Sauerstoffmangel leben könnte.
Und dass ich noch einige Jahre, auch unter diesen Umständen, erleben kann.

Ihr Tipp für ein langes Leben?

In erster Linie muss man sich mit Sport beschäftigen, und natürlich auch den Geist nicht vergessen. Damit man sich in der Welt zurechtfindet und mit anderen Menschen solidarisch sein kann.

Worauf sind Sie stolz in Ihrem Leben?

Auf mein gutes Elternhaus und auf meine Schulbildung vor und nach dem Krieg, die mir mein Leben so ermöglicht hat.
Leider ist meine Frau schon 2004 verstorben, und die letzten Jahre habe ich in meinem Haushalt alles selbst gemacht. Nun bin ich hier und ich mache mir keine anderen Gedanken, als dass das hier die Endstation ist, das kann ich ganz ehrlich sagen.

Wie würden Sie die Technik früher einschätzen?

Wenn ich an meine Schulzeit denke – wir hatten den Wunsch, eine gute Ausbildung zu bekommen, der leider durch den Krieg etwas eingeschränkt wurde.
Ich hatte früher einen Beruf in der Metallbranche, den habe ich die letzten 40 Jahre ausgeübt.
Ich habe erst an den Maschinen Werkzeug hergestellt, dann war ich Meister der technischen Abteilung, dann Technologe.

Was wünscht ihr euch denn, wenn ich fragen darf? Was wollt ihr werden, wenn ihr groß seid?

Ich weiß es schon. Mein Opa betreibt eine Baufirma, die mag‘ ich dann von meinem Onkel übernehmen. Bagger fahren kann ich schon.

Ich kann dafür nicht Auto fahren. Ich kenne mich zwar mit Motoren aus, aber eher mit Schiffsmotoren.

Das Leben ist ein Buch

Portraits der Ausstellung

16 Portraits – 16 Gesichter von 16 Menschen, 16 Leben, 16 Geschichten.

Vom 28. November bis zum 31. Dezember 2017 ist die Ausstellung im Foyer der Stadt- und Landesbibliothek Potsdam zu sehen. Erleben Sie dort die Begegnung von Jung und Alt.

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