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Brigitte Thiele

Schwester Brigitte Thiele

* 1934 in Ziebingen

Schwester Brigitte ist glücklich, nach vielen Jahren wieder auf Hermannswerder zu sein. Als junge Frau kam sie auf die Insel, um Diakonisse zu werden. 

Worüber haben Sie heute schon gelacht?

Eigentlich über noch nichts.Jetzt muss ich lachen, weil so kleine Mädchen mich das fragen.

Was brauchen Sie, um zufrieden zu sein?

Ruhe, Frieden und Freude, auch in meinem Herzen. Und ich habe ja auch jemanden lieb. Ich war hier Diakonisse, für viele Jahre. Ich habe hier im Haus  als Krankenschwester gearbeitet. Vielleicht habt ihr in Potsdam schon mal so eine Schwester gesehen, mit einer Haube und einer Schleife – so eine war ich.
Ich bin damals sehr krank gewesen, und in der DDR bekam man ja keine Medikamente. Dann hat meine Ärztin gesagt, obwohl man das ja nicht durfte, dass ich in den Westen gehen soll, um gesund zu werden. Das habe ich dann getan, und dann habe ich da weiter gearbeitet. Dort habe ich in einem Heim gewohnt, aber das hat mir nicht gefallen. Dann hat mein Bruder versucht, mich nach Hause zu holen.

Kindheit, Schule, Arbeitsleben: Woran erinnern Sie sich am liebsten?

An meine Arbeit. Ich war mit Leib und Seele Krankenschwester, und wenn ich das heute noch könnte, dann würde ich´s noch tun. Aber ich kann nicht mehr, mein Rücken ist kaputt.

Was hat Ihre Jugend geprägt, und was prägt die Jugend heute?

Als ich ein bisschen älter war als ihr,  * lacht *  ja, so war ich auch mal. Da war ich zehn Jahre ungefähr, da war hier Krieg. Wir haben damals da gewohnt, wo jetzt Polen ist. Da wurden wir vertrieben. Wir sind nach Potsdam gekommen, wohin meine Großeltern schon vorher geflohen sind.

Was ist Ihre Botschaft an die Jugend?

Dass ihr euch gut untereinander versteht, und miteinander redet wenn ihr Kummer habt, auch mit euren Eltern.
Und dass Frieden ist. Das war wirklich schlimm, als die Bomben gefallen sind.

Aber in anderen Ländern ist gerade Krieg.

Ja, das ist auch schlimm. Auch dass Familien mit kleinen Kindern flüchten müssen. Mein  Bruder war damals auch erst zwei Jahre alt.

Was ist Ihnen heute in Ihrem Leben wichtig?

Na, dass man einigermaßen gesund ist. Aber man darf nicht zu viel drüber nachdenken, man muss auch mal Schmerzen aushalten.

Wenn Sie einen Wunsch frei hätten, was würden Sie sich wünschen?

Wenn das möglich ist, würde ich gerne noch ein bisschen leben. Ich bin jetzt 83.

Ihr Tipp für ein langes Leben?

Gesundheit ist schon sehr wichtig.
Und der Glaube an Gott und Jesus Christus, wo man immer seine Sorgen loswerden kann und der einem auch vergibt, wenn man was Böses gemacht hat. Könnt ihr das verstehen? Der Glaube hilft sehr viel.

Worauf sind Sie im Leben stolz, oder auch dankbar?

Darauf, dass ich meinen Beruf lernen und ausüben konnte. Ich konnte sehr vielen Menschen helfen, darauf bin ich stolz. Ich war 42 Jahre Krankenschwester und habe es bis zur Pflegedienstleitung geschafft. Ich war aber nicht verheiratet, sonst hätte ich das nicht geschafft.

Welche Unterschiede gibt es in der Jugend früher zu heute?

Oh, große Unterschiede. Wir mussten immer höflich sein und wenn man im Bus saß, musste man aufstehen und Platz machen. Das ist wichtig.
Aber es freut mich, dass ihr jetzt fröhlich sein könnt. Ich wurde 1940 eingeschult, und zwischendurch hatte ich ein Jahr gar keine Schule.

Was ist Ihr Lieblingsessen?

Ach, eigentlich esse ich alles. Nur Paniertes esse ich nicht so gerne, da ist mir zu viel drum rum, was eigentlich nicht schmeckt. An Weihnachten esse ich auch gerne Fleisch, aber an Karfreitag nicht.

Was war früher Ihr Lieblingsfach?

Am liebsten mochte ich Rechnen. Und Geschichte, das interessiert mich heute noch, wenn im Fernsehen Berichte über Ausgrabungen laufen.

Was ist Ihre Lieblingsfarbe?

Meine Lieblingsfarbe ist blau, aber nicht zu dunkel. Wir mussten früher immer so dunkel gekleidet rumlaufen.

Welche Uhren mögen Sie am meisten, welche die man sich umhängt oder welche die an der Wand hängen?

Armbanduhren mag ich.

Wie alt möchten Sie werden?

Das weiß ich noch nicht. Wenn Gott mich holt, dann ist das so. Aber wenn er mich noch nicht will ...  * lacht *

 

Das Leben ist ein Buch

Portraits der Ausstellung

16 Portraits – 16 Gesichter von 16 Menschen, 16 Leben, 16 Geschichten.

Vom 28. November bis zum 31. Dezember 2017 ist die Ausstellung im Foyer der Stadt- und Landesbibliothek Potsdam zu sehen. Erleben Sie dort die Begegnung von Jung und Alt.

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