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Martin Zierath

Martin Zierath

* 1939 in Kyritz

Lässig und witzig, einfach gut gelaunt, so erzählt Herr Zierath von seinem Leben. Von harter körperlicher Arbeit, die ihre Spuren hinterlassen hat, aber auch von den Hobbies und schönen Dingen. Eine freundliche Unterhaltung schätzt er sehr!

Wir haben ja Ihr Bild gesehen, und wir haben gedacht, Sie könnten vielleicht Gerhard heißen. Und vom Beruf vielleicht Förster?
Können sie sich vorstellen, wie die Kinder auf Förster gekommen sind? Bestimmt wegen Ihrem Hut!

Ich heiße Martin, und ich war tatsächlich früher bei der Jagd dabei, als Obertreiber.
Die Leute, die das Wild zusammen treiben, die habe ich angestellt. Ich habe selber einen Jagdhund ausgebildet, einen kleinen Terrier. Der ist zwölf Jahre alt geworden, bevor er von einem Wildschwein geschlagen wurde.

Als Hobby haben wir uns Tiere beobachten vorgestellt.
Passt doch! Als Jäger muss man ja auch beobachten, oder?

Ja, manche Nacht haben wir auf dem Hochsitz verbracht und geguckt, ob vielleicht ein Keiler oder eine Bache kommt.

Worüber haben Sie heute schon gelacht?

Da kommt ihr an und fragt mich sowas!  * lacht *

Was brauchen Sie denn, um zufrieden zu sein?

Ich bin zufrieden, dass ich hier jetzt ein Zimmer gekriegt habe. Ich habe alleine gewohnt, und meine Tochter wusste nicht mehr weiter, dann hat sie mich hier untergebracht. Es ist schön, wenn man nicht ganz alleine ist und Leute da sind, die helfen.
Mein Zimmernachbar ist auch nett, nur der davor war unordentlich. Der hat überall sein Zeug rumliegen gelassen, nie sein Bett gemacht, der hat sogar in meinem Bett geschlafen!

Kindheit, Schule, Arbeitsleben: An was erinnern Sie sich am liebsten?

In der Schulzeit haben wir viel und gerne Fußball gespielt. Die Mädchen auch.
Daher hab ich jetzt meine Schmerzen! * schmunzelt * Die Beine sind kaputt.

Haben sie denn da mal Quatsch gemacht?

Zum Blödsinn machen bin ich gar nicht gekommen. Ich musste als Kind schon arbeiten, bei meinem Opa. Gänse hüten und so ein Kram. Da war ich sechs, der Krieg war da grade vorbei.
Ich habe dann Melker gelernt, aber ich habe auch fünf Jahre lang auf dem Kohlenhof gearbeitet. Da war ich 13, und habe die Kohle bei der Bevölkerung abgeliefert. Dann war ich Entlader, Zement und so, und dann Treckerfahrer.

Ich habe mal ein Pferd gemolken!

Das habe ich noch nie gemacht. Dafür aber 300 Kühe.  * lacht *

Was prägte Ihre Jugend, und was prägt die Jugend heute nach Ihrer Ansicht?

Wir haben damals immer sehr viel arbeiten müssen, da habe ich immer geschimpft.
Ich hab mir später selber einen Hof gekauft und umgebaut.
Wir hatten früher oft Hunger. Da hat die Jugend es heute leichter.

Was ist Ihnen heute im Leben wichtig?

Dass man Essen, Trinken und alles hat und zufrieden ist.

Und einen netten Zimmernachbarn!

Ja, der könnte nur ein bisschen mehr reden.

Was wäre Ihr Tipp für ein langes Leben?

Kann ich schwer sagen, das ist einfach so gekommen.

Worauf sind Sie stolz?

Na, dass ich so alt geworden bin! Aber wie ich das gemacht habe, weiß ich nicht.

 

Das Leben ist ein Buch

Portraits der Ausstellung

16 Portraits – 16 Gesichter von 16 Menschen, 16 Leben, 16 Geschichten.

Vom 28. November bis zum 31. Dezember 2017 ist die Ausstellung im Foyer der Stadt- und Landesbibliothek Potsdam zu sehen. Erleben Sie dort die Begegnung von Jung und Alt.

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